Paul und die Schleppleine



Paul ist ein kleiner Jagdhundmix Rüde, c.a. 2 Jahre alt.

Er ist eigentlich immer schön ohne Leine gelaufen, sogar im Feld.  Er hat sich abrufen lassen, ist in der Nähe geblieben und hat immer schön mit seinem Bällchen gespielt. Mit zunehmendem Alter folgte er immer schlechter und ließ sich öfters mal von seiner Nase leiten. Vor kurzem ist er das Erste mal einem Hasen hinterher und war etwa Eine Stunde weg.

Seit dem ist Paul nur noch an der Schleppleine gelaufen.

Das hat total super geklappt….bis Gestern.

Um 14:30 Uhr bekam ich von meiner Freundin Steffi eine SMS das Paul schon seit 13:00 Uhr verschwunden ist und ob ich suchen helfen kann. Ich habe sofort Feierabend gemacht und bin nach Stockstadt an den Kühkopf (Naturschutzgebiet) gefahren, dahin wo er verschwunden ist.

Das schlimmste war: “die Schleppleine war noch am Hund

Die ganze Familie war schon in Feld und Wald unterwegs und hat Paul gesucht…Frauchen Steffi, ihre Eltern, ihr Opa und mehrere Freunde. Fast alle Leute die wir angesprochen haben, sind kurz entschlossen auf die Suche nach Paul gegangen. Paul war nicht zu finden.

Wir sind in jedes Gebüsch gekrabbelt, durch Sümpfe gestapft, haben alle Wege abgefahren, durch Mannshohe Brennnesseln haben wir uns gekämpft, kein Paul. Irgendwann war klar, dass er wohl mit der Leine hängengeblieben sein musste. Aber würde er auf die Idee kommen die Leine durch zu beißen? Oder  könnte er es schaffen sich aus dem Geschirr zu wurschteln?

Würde er vielleicht mal winseln oder bellen? Es war heiß und es wurde immer später.

Irgendwann kahm Steffis Vater mit einer Sichel und hat angefangen sich durch das Gebüsch und die riesigen Brennnesseln zu schlagen von der Stelle an wo der kleine Paul verschwunden war. Nach nur c.a. 30 Metern stand Paul einfach da und hat ihn angesprungen. Seine Leine hatte sich verfangen und er hat ein Beinchen aus dem Geschirr bekommen. Aber er hing fest.

Sonst ist er eher ein kleiner Kläffer, aber da hatte er keinen Fiepser losgelassen. Mittlerweile war es 17:30 Uhr. 

Paul war dehydriert und fix und fertig, aber es ging ihm gut. 

Er hätte nur 30 Meter vom Weg entfernt verdursten und verhungern können. Wer weiß ob er es  doch noch geschafft hätte sich zu befreien oder ob er irgendwann gebellt hätte, so dass ihn jemand gehört hätte?!? 

Was jeder aus dieser Geschichte lernen kann ist, dass man auch mit Schleppleine sehr konzentriert bleiben muss.

Es ist ein Training und nicht die Sicherheit, dass der Hund nicht wegrennt. Lässt man das Ende los, muss man drauf  Achten, was der Hund macht, was in der Umgebung passiert und  das man die Leine noch rechzeitig erwischen kann. Es ist als wäre der Hund frei. Also alles lieber 10 mal abwägen bevor man das Ende der Leine wirklich auf dem Boden schleifen lässt! Je nach Hund und Umgebung, sollte man jeden Tag individuell entscheiden. Aber sicher ist die Leine in der Hand, denn ein Hase kann immer vorbeikommen.

Olivia Jenel im Juli 2009