Wo andere Urlaub machen....
Im schönen Andalusien, an der Costa del sol,
liegen Torrox,
Torrox Costa und El Morche. Das Klima ist ausgeglichen und die meiste
Zeit des
Jahres scheint die Sonne. Genau dort finden die unentwegten Helfer von
Ayuda
ihre „Notfelle“, dort kommen all die armen Socken her, die auf der
Homepage zu
sehen sind.
Als Pflegestelle von Ayuda, durch Frau Snedker und Frau Baumbusch für die traurigen Lebensgeschichten der Hunde sensibilisiert, wollte ich mir gerne vor Ort ein Bild machen. Und tatsächlich bot sich mir die Möglichkeit, im März "Urlaub" zu machen – also nahm ich die Sache in Angriff. Und endlich war es soweit, ich landete in Malaga! Nach einer Fahrt von etwa 60 Kilometern durch die andalusische Nacht nahm mich Ute Kessal trotz der späten Stunde freundlich in Empfang. Sie ist diejenige, die zwischen Malaga und Torrox hin- und herpendelt, wenn Hunde ausgeflogen werden. Sie holt die Hunde von ihren Pflegestellen ab und übergibt sie in Malaga den Flugpaten. Außerdem fotografiert sie die Hunde einiger Pflegestellen für das Internet.
Der nächste Tag war Markttag, Helgard Less
betreibt dort
einen Stand und nutzt an diesen Tagen die Gelegenheit, um Kontakte zu
knüpfen
und zu pflegen. Ein wichtige Sache, wenn man die Menschen auf das Leid
der
Tiere aufmerksam machen möchte. Ich bekam am Rande einige
Gespräche mit, hier
berichtete eine Frau über eine verwahrloste Katze, dort
erzählte Jemand, dass
er nach Deutschland zurück fliegt und Helgard legte ihm sogleich
eine
Flugpatenschaft ans Herz. Ein großes Schild am Stand weist sie
als
Tierschützerin aus und die drei Hunde, die träge im Schatten
des Baumes lagen,
wurden von einigen Marktbesuchern schon liebevoll begrüßt.
Ich wollte mich
nützlich machen und bekam kleine Arbeiten zugeteilt, Schuhe
sollten sortiert
und ansprechend aufgereiht werden und ich durfte mit Luky Luke
spazieren gehen.
Ich fand das toll, er nicht! Der kleine, wilde Podenco-Mix ist einer
der
Herzenshunde von Helgard. Er ist geistig behindert und sie würde
ihn nie
hergeben. Und er ist nicht der Einzige,
ich lernte sie alle im Laufe dieser Woche kennen. Auch einige
der
Pflegestellen durfte ich besuchen. Von meinen unzähligen Besuchen
im Internet
kannte ich schon die meisten Hunde, jetzt begegnete ich ihnen und
stellte ein
ums andere Mal fest, auch wenn die Bilder noch so gelungen sind, sie
werden
ihnen nicht gerecht!
Nach unserer Rückkehr vom Markt erwartete uns bei Helgard viel Arbeit. Der Montag ist der einzige Tag, an dem sie ihre Hunde für einige Stunden alleine lassen muss. Da zur Zeit 5 Welpen bei ihr wohnen, die gerade eine schwere Erkrankung überstanden haben, kann man sich sicher vorstellen, wie es dort aussah. Die Kleinen hatten sich bemüht, alles zu verwüsten und dabei ganze Arbeit geleistet. Sie bewohnen ein eigenes Zimmer mit Fliesen, auf denen sie ihre Geschäfte erledigen. Zu der Zeit meines Besuches durften sie nach ihrer Krankheit noch nicht raus in den Garten. Am Abend fand die Fütterung der „Raubtiere“ statt, alle 30 Hunde möchten natürlich gleichzeitig mit dem Fressen beginnen, eine echte Herausforderung. In mehrere Gruppen nach Verträglichkeit aufgeteilt, funktioniert alles reibungslos und bald waren die Vierbeiner glücklich. Nach Einbruch der Dunkelheit war Spazieren gehen angesagt, wir machten uns mit den Hunden auf den Weg, alle wollten mit. Auch hier ist alles straff organisiert, drei bis vier Hunde an der Leine und zwei oder drei, die ohne Leine mitlaufen. Es war fast Vollmond und wir liefen durch die Nacht. Um elf kapitulierte ich, Helgard ging noch einige Male los bis alle 30 Hunde ihre Bewegung hatten. Als ich morgens wach wurde, war sie schon wieder mit den ersten Hunden unterwegs gewesen. Meine Bewunderung für sie ist grenzenlos!
An einem Tag trafen wir in einem Restaurant auf Antonio, er ist der Besitzer einer erbarmungswürdigen Hündin. Angekettet, schlecht ernährt ist sie den Übergriffen der 19 frei laufenden Rüden ausgesetzt. Helgard verhandelte über die Herausgabe von Linda, Antonio stimmte zu, dass Linda abgeholt werden kann. Am Nachmittag schnappten wir uns zwei Leinen und holten Linda, sie war total aus dem Häuschen und der Weg zurück war sehr anstrengend. Anschließend versuchten wir, die Zecken zu entfernen. Nicht ein Fleckchen Haut dieses armen Hundes war frei von Zecken, es waren ganze Kolonien, Großfamilien. Am Abend kam Antonio vorbei und holte Linda wieder ab..... So sieht die Tierschutzarbeit also aus!
An einem anderen Tag wurde eine Hündin ausgeflogen, die schon sehr lange bei Helgard untergebracht war. Es hatten sich Menschen gefunden, die der Hündin ein Heim und viel Liebe schenken wollten. Gegen Mittag kam Frau Kessal und nahm Attila mit zum Flughafen. Helgard wartete nicht ab, bis Atilla im Auto saß, sie drehte sich um und ging, wir alle hatten gesehen, dass sie weinte! Wir, die wir den Hunden nur vorübergehend ein Zuhause bieten, wir Pflegestellen, wir können diesen Schmerz nachvollziehen. So schön es ist, wenn endlich eine Familie gefunden wird, die einen dieser tollen Hunde liebevoll aufnimmt, der Abschied ist traurig.
Viel schöner war, als an einem Tag Frau Paetz
da war – ein
Fototermin stand an. Die weiße Indra hatte sich kurz vorher im
Dreck gewälzt
und war nun leider nicht mehr weiß! Helgard musste sie schrubben
und das fand
Indra schon mal ziemlich blöde. Anschließend sollte sie noch
still sitzen und
nett ausschauen, da verlor sie den letzten Rest Humor! Frau Paetz
machte
zirkusreife Faxen, sie maunzte und pfiff, es war die reinste Freude.
Und so
bekam sie es hin, sie hatte Indras volle Aufmerksamkeit - die Bilder
sehen klasse
aus!
Ich lernte in dieser kurzen Zeit noch andere Helfer kennen. Simone - unentbehrlich als Organisatorin und Dolmetscherin - zeigte mir ihr wunderschönes Anwesen, das ihre Familie mit Hunden, Katzen, Pferden und Eseln teilt. Sie vermietet eine zauberhafte Ferienwohnung und wer sich dort aufhält, kann nicht nur die schöne Gegend und die tierisch nette Nachbarschaft genießen, er hat auch noch die Gewissheit, etwas Gutes getan zu haben, denn einen Teil der Einkünfte stellt Simone für den Tierschutz vor Ort zur Verfügung.
Da ich als Flugpatin für den Rückweg einen von vier Welpen mit nach Deutschland bringen konnte, besuchten wir auch Monika. Dort leben unter anderem die Babys, die inzwischen alle in Deutschland und auch fast alle vermittelt sind. Es war eine Fahrt über abenteuerliche Straßen, schmal, steil ohne seitliche Begrenzung, aber Helgard versicherte mir, es geht noch schlimmer!
Mein Aufenthalt war schnell vorbei, alle Pflegestellen konnte ich natürlich nicht besuchen und die Arbeit, die damit verbunden ist, alle diese Hunde zu retten, kann ich nur erahnen. Eines ist jedoch ganz offensichtlich, hier machen sich viele unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Schicksalen gemeinsam stark für eine gute Sache. Jeder trägt dazu bei, dass an diesem Fleck der Erde das Leben der unschuldigen Tiere ein wenig erträglicher wird. Die meisten Hunde waren dem Tode schon sehr nah, sie wurden als Welpen fast getötet, sie überlebten, auf sich allein gestellt in Höhlen, auf Mülldeponien oder auf der Straße. Und dann bot sich ihnen eine Chance auf ein neues Leben, ein Leben mit Mahlzeiten, um die sie nicht kämpfen müssen, ein Leben mit Streicheleinheiten, wo sie doch nur Steinwürfe oder Schläge kannten.
Der Vollständigkeit halber erwähne ich noch die vielen Pflegestellen, die den Hunden ein Heim bieten, ihnen zum ersten Mal im Leben geregelte Mahlzeiten und Zuwendung geben. Dazu gehören Sandra, die sich auf die Aufnahme ganzer Welpenwürfe spezialisiert hat und Erhard, der auch noch den Fahrdienst zu den Markttagen übernommen hat. Die Tierschützerinnen, die neben Arbeit und Familie halbe Nächte damit verbringen, wilde Katzen zu füttern. Freunde wie Rosmarie, die Helgard für ein paar Stunden ablösen, wenn etwas zu erledigen ist und Wilfried, der mit Schäferhündin Mercedes spazieren geht. Alle arbeiten Hand in Hand, die Versorgung der Hunde, die Fahrten zum Flughafen, die Besuche beim Tierarzt, die Begleitung der Flugpaten bis zu dem Augenblick, wenn sie mit dem Hund durch die Kontrolle gehen. So viele engagierte Helfer, die eines verbindet – die Liebe zu den Hunden, die sonst keine Chance haben. In den wenigen Tagen sah ich nur einen kleinen Ausschnitt von der umfangreichen Arbeit und es beeindruckte mich sehr. Wenn in Deutschland ein Hund ankommt, dann hat er dort schon einige Stationen durchlaufen. Er ist frei von Ungeziefer, ist sauber, hat gutes Futter und den Tierarzt kennen gelernt. So gerüstet startet er zu uns und hier in Deutschland trifft er wieder auf Menschen, die viel Liebe zu geben haben.
Jetzt bleibt mir nur noch DANKE zu sagen, allen, die sich Zeit für mich genommen haben! Es war ein unvergessliches Erlebnis, das noch sehr lange nachwirken wird.
Und immer wenn ich den Mond ansehe,
werde ich an Helgard denken, wie sie in der
Nacht mit ihren Hunden durch die Berge wandert!
Eure
Martina Gross, Pflegestelle
